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Bestatter auf hoher See

Die Studienfahrt der Bestatterfachgruppe in diesem Jahr bot allen Beteiligten die Gelegenheit, einmal den festen Untergrund zu verlassen und eine Seebestattung quasi live mitzuerleben. Von Harlesiel in Ostfriesland aus ging es mit der Seebestattungs-Reederei Albrecht ins Wattenmeer. Bis zu 50 Gäste kann das Schiff für eine solche Bestattungsausfahrt mitnehmen. Kapitän Benjamin Albrecht erläuterte zunächst die technischen Rahmenbedingungen für diese Bestattungsform. Es gibt in Deutschland keine klar ausgewiesenen Meeresgebiete, aber es muss eine gewisse Mindesttiefe sichergestellt sein, damit sich die Urne in wenigen Stunden auflösen kann und nicht an die Küsten oder an den Strand getrieben wird. Dies wird gewährleistet durch Urnen aus Cellulose oder Kalk.

Bildnachweise: Bestatter NRW

Typischerweise haben die Interessenten für diese Bestattungsform eine besondere Beziehung zum Meer, weil sie dort regelmäßig Urlaub gemacht oder sie am Meer gelebt haben. Aber die Tatsache, dass mit einer Seebestattung auch keinerlei Folgekosten mehr verbunden sind, macht sie für viele interessant. Der größte Teil der Nachfrage kommt nach Angaben von Kapitän Albrecht aus Nordrhein-Westfalen. Das Angebot reicht von allen Nordseeinseln bis zur Ostsee, aber auch im Mittelmeer bei Mallorca oder Ibiza oder sogar in der Karibik sind Seebestattungen möglich.

Nach knapp einer Stunde erreichte das Schiff dann das Gebiet zwischen Wangerooge und Spiekeroog und Kapitän Albrecht führte für Max Mustermann eine mustergültige Bestattung vor. Dabei wurde auch noch mal deutlich, dass es auch eine starke emotionale universelle Bedeutung hat, wenn man die Asche dem Meer übergibt. Überall, wo man danach ans Meer kommt, wird man an den Verstorbenen erinnert. Allerdings ist die vom Film geprägte Vorstellung, dass die Asche ins Meer verstreut wird, mehr als unpraktikabel. Schon bei wenigen Windstärken würde das Ganze wenig pietätvoll werden und eine Staublunge will der Kapitän dann schließlich auch nicht riskieren.

In der preiswertesten Variante geschieht eine derartige Bestattung als „stille“ Beisetzung ohne mitfahrende Angehörige. Dann werden zumeist mehrere Urnen gemeinsam auf die letzte Fahrt mitgenommen. Aber es wird alles genau fotografisch festgehalten und in eine Karte eingetragen, damit die Angehörigen einen eindeutigen Bezug zur Beisetzung haben. Teilweise haben auch Angehörige einfach Angst, an Bord zu gehen, gerade bei erhöhtem Wellengang. Bis Windstärke 7 ist eine derartige Beisetzung noch machbar. Aber schon da sind die Wellen dann bis zu drei Meter hoch.

Das anschließende Essen bei Kaffee, Kuchen und Schnittchen wurde von allen Beteiligten sehr gelobt. Denn es gehört eigentlich dazu, dass man nach einer Beisetzung, nach all der Anspannung auch wieder zusammenkommen, miteinander essen und trinken kann. Die Seebestattungsreederei versorgte alle Beteiligten mit reichlich Informationsmaterial und Preislisten. Die günstigsten Seebestattungen werden von Harlesiel aus mit ca. 1.500 Euro angeboten. Das geht dann bei der Karibik bis auf 6.000 Euro.

Alle Beteiligten waren beeindruckt von der guten Organisation. Das schöne Wetter tat sein Übriges, dass die Studienfahrt zu einem angenehmen Wochenendausflug an die Nordsee wurde.