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Bestatter mit dem Blick nach vorn

Thomas Radermacher ist ein Mann, der über den Tellerrand hinausdenkt. Neben dem Tagesgeschäft hat der Inhaber und Geschäftsführer des Bestattungshauses Radermacher im Nordrhein-Westfälischen Lügde schon früh darüber nachgedacht, was sich seine Kunden über die reine Abwicklung des Trauerfalls hinaus noch wünschen.

Bildnachweise: Radermacher

„Wir versuchen immer, nach vorne zu blicken – zu schauen, wo die Reise hingeht und was man als Zusatzleistungen noch anbieten kann. Wir stellen uns nicht hin und sagen, diesen Stand haben wir erreicht und so bleibt es jetzt. Wir sind stets bemüht, über Weiterbildung und Erfahrungsaustausch mit anderen Bestattern am sogenannten Puls der Zeit zu bleiben“, beschreibt Radermacher seinen weiten Blick auf die beruflichen Dinge. Dazu gehört auch, dass das Bestattungsunternehmen sich schon in der Anfangszeit Ziele gesetzt hat, die erst nach einigen Jahren zu verwirklichen sind, dabei aber immer auf eine seriöse Berechnungsgrundlage gesetzt hat. „Am Anfang wurden wir belächelt, als wir mit gerade einmal zehn bis zwölf Bestattungen pro Jahr begonnen hatten, ein 350 Quadratmeter großes Gebäude zu errichten. Damals habe ich mich hingesetzt und eine Fünf- und eine Zehnjahresprognose erstellt – nicht nur für die Bank, sondern auch für mich und meine eigene Planung. Da sind wir heute darüber hinaus, das heißt, ich war sogar zu vorsichtig in meinen Berechnungen. Heute weiß ich: eine eigene Grundversorgung, eine Kühlung mit zwei Abschiedsräumen und eine großzügige Ausstellung - das war genau richtig, dass wir das so gemacht haben“, erzählt Radermacher von den Entscheidungen, mit denen er früh die Weichen zu seinem erfolgreichen Familienunternehmen gestellt hat.

Und der Vater dreier Töchter ist noch längst nicht am Ende seiner Zukunftsplanungen angekommen. Aktuell erweitert er den Betrieb, der neben dem Bestattungsinstitut zur anderen Hälfte auch aus einer Tischlerei besteht und in dem auch seine Frau Stefanie, sein Vater Rolf, seine jüngste Tochter Nelly sowie ein Tischlermeister und ein Geselle arbeiten, um eine im Rohbau befindliche eigene Kapelle sowie ein Kolumbarium.

Zu dieser zukunftsorientierten Einstellung, die über den direkten finanziellen Nutzen hinausgeht, gehört für den Bestatter auch die Mitgliedschaft im Berufsverband. Dieser ist für Radermacher mehr als eine gemeinschaftliche Interessenvertretung. „Ich bekomme vom Verband auch Unterstützung, wenn ich Hilfe benötige – sei es rechtlicher, fachlicher oder sonstiger Natur. Nicht alles muss mit einem direkten finanziellen Plus aufgehen. Das passt schon“, stellt der 56-Jährige klar. Für eine aktive Rolle bei „Bestatter Deutschland“, sprich einem offiziellen Amt, fehle ihm zwar die Zeit, wie er sagt, Gedanken über die Entwicklung der gesamten Branche macht er sich nichtsdestotrotz. Ein besonderes Anliegen ist ihm dabei die Ausbildung. „Ich will nicht so weit gehen, einen Meistertitel zur Pflicht erheben zu wollen. Aber eine fundierte Ausbildung würde ich schon begrüßen. Ich habe selbst keine Ausbildung als Bestatter gemacht. Ich habe aber mittlerweile fast alle Weiterbildungsmodule absolviert – selbst die, die zur Meisterprüfung erforderlich sind, sowie eine Ausbildung als Notfallseelsorger“, sagt Radermacher, dessen Unternehmen nur bedingt in der für viele Bestatter typischen Familientradition steht.

Begonnen hat das Ganze mit Thomas Radermachers Großvater. Dieser hatte kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs im Lügder Stadtteil Sabbenhausen den Betrieb gegründet und als selbstständiger Stellmacher die ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe mit hölzernen Wagen, Rädern und ähnlichem versorgt. Dessen Schwiegersohn Rolf Radermacher, der Vater des heutigen Unternehmenschefs, führte den Betrieb weiter und erweiterte ihn zu einer vollwertigen Tischlerei mit breitem Angebot. 1978, noch bevor Thomas Radermacher bei einem Ladenbaubetrieb seine Ausbildung als Tischler absolvierte, begann die Erweiterung des Unternehmens zu einem Bestattungshaus – auf kuriose Weise, wie Radermacher zu erzählen weiß. „Damals gab es drei Tischlereien bei uns im Ort. Der Betrieb, der bis dahin die Bestattungen vorgenommen hatte, spezialisierte sich 1978 anderweitig. Da mein Vater dort seine Ausbildung gemacht hatte, hatten wir eine gute Verbindung. So stellte uns das Unternehmen eines Tages einen schwarzen Anhänger und zwei Kerzenständer auf den Hof und sagte, ‚gebt uns 500 Mark und dann macht ihr ab sofort die Bestattungen‘. Da ich in der Tischlerei immer schon viel mitgearbeitet hatte, begleitete ich meinen Vater auch bei der ersten Bestattung unseres Betriebs. Ich war 14 Jahre alt und bin völlig unbedarft dazu gekommen“, berichtet Radermacher.

Trotz seines jungen Alters gab es für ihn keine Berührungsängste. Im Gegenteil, für den heutigen Unternehmer war dies der erste Schritt in ein Gewerbe, das für ihn „nicht nur Beruf, sondern eine Berufung ist“, wie er sagt. Radermacher betont in diesem Zusammenhang, wie wichtig es ihm ist, das mitunter tabuisierte Thema Tod wieder ins Zentrum des Bewusstseins zu holen – so wie es früher war. „Wir wollen mit dem Thema Sterben und Tod ganz offen umgehen. Dafür veranstalten wir zum Beispiel Führungen bei uns im Haus. Wir propagieren das ganz offen und laden jeden ein, zu uns zu kommen“, sagt der Bestatter und erinnert daran, dass bis zum Bau der ersten Friedhofskapellen Ende der 60er Jahre, Verstorbene zuhause aufgebahrt worden waren.

„Da sind Familie und Freunde gekommen und im Trauerhaus stand drei, vier Tage lang die Welt still, während sich alles um den Trauerfall drehte. Damals war das Thema noch mitten in der Familie angesiedelt. Wir versuchen das wieder in die örtliche Struktur zurück zu holen. In 98 Prozent der Fälle haben wir eine Abschiednahme am offenen Sarg. Wir legen den Angehörigen nahe, sich nochmal ein Bild von dem oder der Verstorbenen friedlich und in eigener Kleidung zu machen – und nicht das letzte Bild im Krankenhaus oder im Pflegeheim, mit offenem Mund und der Decke bis unter das Kinn - im Kopf zu behalten. Danach hören wir immer, wie froh alle sind, das gemacht zu haben“, berichtet Radermacher, für den das Bestattungswesen vor allem von der eigenen inneren Einstellung bestimmt ist. „Das Bestattungswesen ist eine ganz andere Sache als die Tischlerei, wo die Terminarbeit jede Menge Stress verursacht. Wenn dann ein Kunde wegen eines Trauerfalls anruft, muss ich diesen Stress sofort und komplett ablegen und ohne Zeitdruck und Hektik ganz für ihn da sein. Wir haben es dann mit Menschen in Extremsituationen zu tun, die auch schwierig und kompliziert sein können – darauf versuchen wir uns ganz einzustellen. Im Nachhinein bekommen wir dafür sehr viel zurück, wo wir aus Dankbarkeit auch schon mal in den Arm genommen werden oder auch mal kleine Geschenke erhalten. Klar, wir müssen auch unser Brot bezahlen, aber das ist vielleicht noch mehr wert, als die finanzielle Seite“, sagt Radermacher.

www.bestattungshaus-radermacher.de