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Internet und Arbeitsschutz - Fachtagung Bestatter NRW 2016 in Lünen

Die Teilnehmer der letztjährigen Fachtagung hatten sich „Internet“ und „Gesundheit/Arbeitsschutz“ als Schwerpunkte für diesjährige Veranstaltung gewählt.

Reimar Küstermann

Verbandsmitarbeiter Helmut Haybach verdeutlichte, dass diese beiden Themen dank SIAM etwas miteinander zu tun haben. Denn nicht nur die Tischler, sondern auch die Bestatter können spezifisch auf ihre Belange abgestimmt, die vollen SIAM-Leistungen nutzen im Hinblick auf Gefährdungsbeurteilung, Gefahrstoffverzeichnis, Unterweisungen und Arbeitsmedizin – und das bei deutlich geringerem Papierkram.

Danach veranschaulichte Haybach den Teilnehmern, wie die neue bundesweite Plattform für die Bestatter im Tischlerhandwerk – bestatterdeutschland.de an den Start gegangen ist. Es ist schon eine ganze Menge an sinnvollen Informationen für interessierte Kunden wie auch Bestatter dort verfügbar. Gerade für die Bestatter gilt es aber noch das Angebot weiter zu entwickeln im Hinblick auf einen möglichen „Marktplatz“ wie auch zusätzliche Arbeitshilfen und Gesetzestexte. Einen besonderen Vorteil bietet bestatterdeutschland.de im Hinblick auf die Betriebssuche. Hier sind alle Betriebe der Fachgruppe gelistet mit ihren Mitgliedsdaten beim Verband. Jeder Betrieb kann auch weitere 19 einzelne Merkmale für seinen Betrieb im Hinblick auf Kompetenz, Ausstattung und Dienstleistung selbständig mit seinem Zugang ergänzen und aktualisieren. Damit wird er in der Suche anders dargestellt und kann auch gezielter von Kollegenbetrieben gesucht werden.

Ein eindrucksvolles Beispiel für eine umfangreiche Bestatterpräsentation bot der Vortrag von Reimar Küstermann aus Bielefeld über seine Internetseite nach dem Motto aus der Praxis für die Praxis. Der Internetauftritt ist sehr persönlich geprägt mit vielen guten Bildern, die alle aus der eigenen Präsentation stammen, womit man Copyrightproblemen aus dem Weg geht und das Umfeld in den verschiedenen Trauerhallen direkt für den Kunden sichtbar wird. Es werden in Kooperation mit anderen Partnern regelmäßige Vorträge angeboten, welche dann wieder in die Pressearbeit fließen. Als Service werden Kondolenzsprüche angeboten und man ist direkt mit dem Trauerportal der Westfälischen Zeitung verbunden. Ein eigenes Portal erscheint ihm dazu nicht sinnvoll. Seine Seite kann über ein Content-Management-System selbst gepflegt. In der Praxis zeigte es sich dann aber doch, dass die Änderungen aus Zeitgründen vom Provider eingepflegt werden.

Im Zeitalter der Vernetzung gibt es auch eine ganze Menge an einer Parallelidentität im Internet, mit der die Erben im Zusammenhang mit dem digitalen Nachlass zurechtkommen müssen. Sabine Petri von der Verbraucherzentrale verdeutlichte die Fülle von rechtlichen und vermögenswirksamen Aspekten aus dem digitalen Nachlass. Viele Verträge werden heute über das Internet abgeschlossen und die Nutzer haben selbst oft keinen Überblick. Nach dem Tod gehen die Zahlungsverpflichtungen auf die Erben über, so dass es genauso wie bei den anderen Formalitäten darum geht, zeitnah einen Überblick darüber zu bekommen, zu kündigen oder weiterzuführen. Das gilt auch für eventuelle Vermögenswerte aus Bezahlsystemen wie PayPal. Über die sozialen Konten bei Google und Facebook führen heute – sprich die Verstorbenen von Morgen – eine Vielzahl von Informationen. Die Rechte daran gehen auf den Erben über, wie erst kürzlich ein Urteil des Landesgerichts Berlin gegenüber Facebook festlegte. Es gibt damit keine Unterscheidung mehr zwischen höchstpersönlichen und vermögensrechtlichen Informationen, der in der Praxis gar nicht geführt werden kann. Aber in der Praxis kann es dann sehr schwierig sein, den konkreten Zugang bzw. die Verfügungsrechte vor allem bei ausländischen Providern darüber zu erhalten. Bei den sozialen Netzwerken gibt es allerdings inzwischen einen „Inaktivitätsmanager“. Darüber kann der Nutzer selbst die Regeln festlegen, wann sein Konto geschlossen werden soll oder wer darüber verfügen darf.

Birgit Aurelia Janetzky von Semno Consulting erläutert zu dem Thema Digitaler Nachlass vor allem auch die emotionalen und menschlichen Probleme, die mit der Aufarbeitung digitaler Identitäten verstorbener Kinder einhergehen. Auch der Umgang mit Passwörtern war ein wichtiges Diskussionsthema – einerseits sollte eine entsprechende Übersicht immer aktuell sein – andererseits aber sicher verwahrt bleiben. Hierzu bietet sich am besten ein eigener Stick mit einer Passwortübersicht an, der nur bei Bedarf an den eigentlichen Rechner angeschlossen wird.

Die Zuhörer waren sich einig, dass dies ein wichtiges Thema auch für den Bestatter ist und zukünftig als Teil der „Erledigung der Formalitäten“ als Service erwartet wird. Dazu können heute schon professionelle Dienstleister wie Columba und PietätDigital eine gute Hilfestellung bieten, damit man nicht mühsam händisch die notwendigen Informationen erfragen und eingeben muss. Im Rahmen einer Bestattungsvorsorge sollte in jedem Fall der Kunde anschaulich informiert werden. Der Bestatter-Fachbeirat NRW wird in der nächsten Zeit eine Zusammenfassung der Fragen und Antworten den Mitgliedern zur Verfügung stellen.

Als „Nachlass des letzten Bildes“ beschrieb Frank Grah aus Solingen die Arbeit des Thanotopraktikers. Er empfahl dringend eine hohe Sorgfalt im Umgang mit dem Verstorbenen. Der letzte Blick sei wesentlich für die Entwicklung in der Trauerzeit. Dabei sollte man auch das Parfüm, den Nagellack oder das Rasierwasser des/der Verstorbenen zum Einsatz bringen. Viele Emotionen werden über diese Details vermittelt und sind eine wichtige Visitenkarte, mit der ein Bestatter seine besondere Kompetenz zeigen kann. Für längere Aufbahrungsfristen sei seiner Meinung nach immer noch Formaldehyd das Mittel der Wahl, auch wenn dies in den einzelnen Friedhofssatzungen teilweise verboten ist. Mit alternativen Mitteln erreiche man oft nicht den angestrebten Zeitraum von mehr als zehn Tagen. Auch sollten seiner Meinung nach die Bestatter sich für die hygienische Versorgung immer die Einwilligung der Angehörigen geben lassen, um nicht in die Grauzone des § 168 Strafgesetzbuches zur Störung der Totenruhe zu geraten.

Zum Schluss konnte Dr. Willi Heepe, der bekannte Sportmediziner aus Berlin, die Teilnehmer sehr anschaulich und unterhaltsam dazu animieren, die eigene Gesundheit bewusster in die Hand zu nehmen. Schlaganfälle, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie auch Altersdiabetes lassen einen hohen Zusammenhang zur Lebensführung erkennen. Wir essen täglich meist mehr als der Neandertaler, bewegen uns aber nur noch weniger als ein Zwanzigstel seines Tagesprogramms. Dr. Heepe hält nicht viel von spezieller Ernährung oder Fastenkuren. Allein regelmäßige und ausdauernde Bewegung könne dafür sorgen, dass Fett abgebaut, das Herz trainiert und die Arterien schlank und rank bleiben. Lediglich bei Bluthochdruck, der keine Schmerzen erzeuge, aber das Schlaganfallrisiko deutlich erhöhe, sieht er den Bedarf einer regelmäßige ärztlichen Kontrolle und einer eventuellen gezielten Medikation. Das Leben mit Bedacht und regelmäßiger Bewegung zu genießen, war sein Motto, mit dem er die Teilnehmer in den Feierabendverkehr entließ.