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Kompost und Ewigkeit

Neues Verfahren zur Bestattung wird in den USA heimisch

Bildnachweis: Gabriel Jimenez

Dass man technisch in der Lage ist, aus der Asche des Verstorbenen einen Diamanten herzustellen, ist inzwischen schon fast Allgemeinwissen – auch wenn es in Deutschland nicht legal ist. Aber der Traum, wenigstens nach dem Tode so wertvoll und zeitlos wie ein Diamant zu werden, beflügelt zumindest die Phantasie. Finanziell wird man bei dieser Alternative relativ schnell wieder auf den Erdboden geholt.

Aber auch die Vergänglichkeit gehört zur Trauer, ohne die es keine Veränderung gäbe. Quasi als Gegenmodell zur zeitlosen Ewigkeit des Diamanten wird nun in den USA ein neues Verfahren eingeführt, um Verstorbene innerhalb des Zeitraums von einem Monat in Kompost zu verwandeln – und zwar mit Haut und Haaren. Dies ist zwar grundsätzlich nichts Neues, denn alle Erdbestattungen im Sarg gehen diesen Weg, aber nicht in diesem Tempo. Dabei wird die Leiche zusammen mit einer Mischung aus Holzspänen, Kleepflanzen und Stroh in einen Behälter gelegt. Ein Lüftungssystem sorgt für die nötige Sauerstoffzufuhr, damit die Mikroben den Körper komplett zersetzen können. Sie erzeugen Temperaturen von mehr als 55 °C und töten damit auch alle eventuellen Krankheitserreger und Arzneimittel ab. Nach einem Monat sind von dem Verstorbenen ca. 750 Liter Komposterde übrig, die dem natürlichen Kreislauf wieder zugeführt werden können. Man muss dabei unwillkürlich an das bekannte Gedicht vom Herrn von Ribbeck zu Ribbeck im Havelland und seinem Birnbaum denken – dafür würde sich die Komposterde gut eignen. Und wenn es nicht zum Birnbaum reicht, bleibt immer noch die Funktion als Blumendünger.

Um dem ganzen Verfahren auch eine erhöhte emotionale Note zu geben, wird das „Einsargen“ in den Kompostbehälter mit den Angehörigen vorgenommen. Dabei werden kleingehackte Holzschnitzel sowie die Blumen dem Verstorbenen in einer Zeremonie beigegeben, bevor der Behälter seinem Kompostierungszweck überführt wird. Inzwischen gibt es auch Weiterentwicklungen, um die Verstorbenen in einem dreigeschossigen Turm aus Stahlbeton in Kompost zu überführen. Dabei wird der Verstorbene in der obersten Etage des Turmes auf ein Bett von Holzspänen gelagert. Durch den Verwesungsprozess sinkt der Verstobene innerhalb von 4 – 6 Wochen bis zum Boden des Turms, wo er dann als Kompost verwertet werden kann.

Die Firma Recompose ist der entsprechende Marktführer für dieses Verfahren und bietet es zunächst im US-Bundesstaat Washinton für ca. 5.500 Euro an – ohne Überführung. Der Verfahren knüpft sehr direkt an die naturverbundene Vorstellung an, dass der Mensch aus der Natur kommt und möglichst direkt nach seinem Leben dem Naturkreislauf wieder zugeführt wird. Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit wird bei diesem Verfahren komplett auf Särge, Grabsteine und Grabpflege verzichtet, das spart gegenüber den Standardverfahren durchaus einiges an CO2 ein. Aber es verbleibt auch kein Ort der Trauer - übrig bleibt nur Erde getreu dem Grundsatz „aus Staub bist, zu Staub kehrst Du zurück“.