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Trauern Männer anders? Ja, Männer trauen im Innern

Bestatter wissen, warum Trauerexperte Thomas Achenbach die Frage stellt: Trauern Männer anders? Ja, meint er und gibt Einblicke in die trauernde Männerpsyche hinter den Klischees.

Bildnachweis: Thomas Achenbach / Patmos

Wann ist der Mann ein Mann? Der Klischees sind da einige: Männer sprechen nicht viel, sind hart gegen andere und sich selbst. Dafür können Männer nichts, heißt es oft weiter. Evolutionär hätten sie kaum anderes mitbringen können: Erfolgreiches Jagen versprach nur Erfolg, wenn der Mann möglichst schweigsam dem Wild nachzustellen verstand und es eben mit entschlossener Kraft tötete.

„Ich halte diese evolutionär-psychologische These für zu spitz und simpel“, sagt der Osnabrücker Trauerexperte Thomas Achenbach. Als zertifizierter Trauerbegleiter, Blogger und demnächst auch Autor eines Bandes über Männertrauern rückt der 43-Jährige manches Zerrbild zurecht.

Erstens: Männer haben durchaus Gefühle, zu denen sie aber keinen Zugang finden oder schlicht davor zurückschrecken, sagt Achenbach. Zweitens: Männer sprechen laut Untersuchungen genauso viel wie Frauen, nur halt über andere Themen. Nicht über Mode, Freunde, Beziehungen, viel eher stehen Technik, Sport und Finanzen im Vordergrund.

Mangels fehlender Studien nähert sich Achenbach dem Männertrauer-Thema aus seiner Erfahrungsarbeit mit Männergruppen. „Männer trauern geheim, mehr in sich hinein.“ Ein Ausloten der Gefühle findet statt. Statt Öffentlichkeit werden vielmehr Schutzzonen und Möglichkeiten des Hinhörens gesucht, so Achenbach.

Eine weitere Erkenntnis: Die eine Art zu trauern gibt es für Männer nicht. Dafür aber manches, was sie während der Trauerphase etwa tun: in den Dialog mit den Gestorbenen gehen, Machtlosigkeit erleben, sich wirksam machen, Aufnahme seltsam anmutender Hobbys, ja auch Flucht in exzessiv ausgeübte Sportarten oder gar in eine Sucht.

Als mehrjähriger, nebenberuflicher Trauerbegleiter listet Achenbach beispielhaft auf, was Männern während des Trauerns gut tut: dezente Begleitung von Männern, Bewegungsangebote und Orte, um Emotionen herauszulassen.

Kann man – also Mann – sich auf das Trauern vorbereiten, werden sich jetzt die Bestatterkollegen fragen, um mit entsprechendem Rat und Tat zur Stelle zu sein? „Wenn, macht die Trauer etwas mit einem“, verneint Thomas Achenbach. Er rät, sich möglichst bewusst den eigenen Emotionen zu stellen und „die Trauer ins Schwingen zu bringen“. Denn verdrängen, so Achenbach, lässt sich hilfreich nichts.

Zur Person: Thomas Achenbach, Jahrgang 1975, Trauer- und Kulturblogger aus Osnabrück, zertifizierter Trauerbegleiter (große Basisqualifizierung gemäß des Bundesverbands Trauerbegleitung) und Mitglied im Bundesverband Trauerbegleitung, beschäftigt sich schon lange mit den Themen Trauer, Verlust, Tod, Palliativmedizin und Trauerbegleitung allgemein. Auf seinem Trauerblog sollen Trauernde Impulse und Gedankenanregungen für ihren Weg bekommen. Thomas Achenbach ist auf die Themen Männertrauer und Trauer im betrieblichen und beruflichen Kontext spezialisiert. Achenbach arbeitet hauptberuflich als Redaktionsleiter eines Anzeigenblattes und nebenberuflich als Gastdozent an der Hochschule Osnabrück.