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Wer aus Sterbfritz kommt, kann eigentlich nur Bestatter werden

Anfang 2019 hat der Fachausschuss der Bundesfachgruppe Bestatter zwei Mitglieder neu gewählt. Das Vertrauensvotum der Delegierten fiel auf Carsten Kuhlmann aus Niedersachsen und den Berliner Bestatter Jochen Hohmann, den wir hier ausführlich vorstellen wollen. Ein Porträt von Carsten Kuhlmann folgt.

Jochen Homann bei der Vorbereitung einer Trauerfeier

Bildnachweise: Bestattungen Hohmann

Jochen Hohmann ist gut drauf, lacht viel, ist aber auch angemessen zurückhaltend und vorsichtig. Der 52-jährige Hesse lebt und arbeitet in Berlin. Seinem Heimatort Sterbfritz – ja, den gibt es wirklich – hat er den Rücken gekehrt. Wegen der Liebe. Den elterlichen Schreinerei- und Bestatterbetrieb hat sein Bruder übernommen, der die Familientradition im namentlich markanten Ortsteil der Gemeinde Sinntal aufrechterhält.

Der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für das Tischlerhandwerk ist wie sein Vater und sein Bruder Harald Hohmann Schreinermeister und Bestatter, außerdem geprüfter Betriebswirt im Handwerk und Mitglied der Tischlerinnung Berlin. Klar, wer aus Sterbfritz kommt und diesen Familienhintergrund hat, kann eigentlich nur Bestatter werden.

Schon von klein auf wird er vom Vater bei Überführungen mitgenommen, erzählt der Wahlberliner Hesse. Das prägt. Nach der Hochzeit beschließen er und seine Frau, nach Berlin zu ziehen, in den „Heimatort meiner Ehefrau“, die dort als studierte Betriebswirtin und Informatikerin als Unternehmensberaterin tätig ist, inzwischen aber „wegen der besseren Vereinbarung von Familie und Beruf“ – das Paar hat drei Kinder – im Betrieb mitarbeitet. Ihre Expertise kann „Hohmann Bestattungen“ jederzeit gut gebrauchen, ist doch Berlin der wohl schwierigste Markt für ein Bestattungsunternehmen in Deutschland. In der Hauptstadt werden die Veränderungen in der Trauerkultur nämlich besonders deutlich, was nicht immer einfach ist, meint Jochen Hohmann: „Es gibt einen klaren Trend zu mehr Individualität und Selbstbestimmung im Umgang mit Tod und Trauer“, sagt der engagierte Trauerhelfer, der sich sehr für seinen Berufsstand „Bestatter“ engagiert und mehr Wertschätzung einfordert: „Wir sind weder Sargverkäufer noch Transportunternehmen.“ Besonders in Berlin gibt es nach seinem Dafürhalten „wenig bis gar keinen Umgang mit dem Tod“, was er sehr beklagt, ihn aber nicht davon abhält, besonders großen Wert auf „persönliche Betreuung vom Trauergespräch bis auf hin zum Friedhof“ zu legen. Auch ist er „immer mehr als Trauerredner gefragt“, was seinem Selbstverständnis als Bestatter sehr entgegenkommt.

Auch über ein anderes Spannungsfeld macht sich der leidenschaftliche Hobby-Motorradfahrer Gedanken: „Im Dorf stirbt die Oma noch zu Hause und die Familie will Abschied am offenen Sarg nehmen.“ Ein Kontrastprogramm zur Berliner Realität. Weil Jochen Hohmann ein ebenso positiver wie freundlicher und vorsichtiger Mensch ist, bezeichnet er den Berliner Bestattermarkt mit seinen viel zu vielen Kollegen als „lebendig“ – nicht verhehlend, dass lebendig auch schwierig bedeutet.

Doch wer auf Zack, gut informiert und gut vernetzt ist, wird auch die Berliner Herausforderung meistern. Deshalb ist der Besuch von Bestattermessen in Holland, Italien und Deutschland für Jochen Hohmann ebenso eine Selbstverständlichkeit wie die von ihm angebotene „Kollegenhilfe für Bestatter aus anderen Bundesländern“.

Auch die nachwachsende Generation soll mit dem Thema „Sterben“ frühzeitig konfrontiert werden, weshalb der auch im Lions-Club Berlin Potsdamer-Platz engagierte Bestatter kürzlich mit 20 Konfirmanden ein Krematorium besucht hat und auch Vorträge über Bestattung und Bestattungsvorsorge und damit auch zum Thema „Sterbekultur“ vor jungen Menschen hält.

Gefragt nach den besonderen Momenten, die seine Arbeit mit sich bringt, nennt Jochen Hohmann Überführungen mit eigenem Bestattungswagen, die schon mal bis zum Wiener Hauptfriedhof (ins Ehrengrab der Ehefrau eines Verstorbenen) oder auf eine Insel in Nord-Schweden, nach Holland oder Polen gehen können. Deutschlandweit ist da fast schon Standard.

Weil Jochen Hohmann gerne über den Tellerrand hinausschaut, hat er sich einer sogenannten ERFA-Gruppe angeschlossen. Gemeint sind damit regelmäßig organisierte Zusammentreffen von unabhängigen Unternehmern zum Erfahrungsaustausch. ERFA-Gruppen stellen ein kostengünstiges, betriebswirtschaftlich relevantes Beratungsinstrument dar. Jochen Hohmann ist Mitglied einer ERFA-Gruppe vom Deutschen Institut für Bestattungskultur (DIB), die es seit etwa zwei Jahren gibt.

Wesentlich für die Arbeit der Erfahrungsaustauschgruppen sind die folgenden Parameter: Die Anzahl der Mitglieder in einer ERFA-Gruppe sollte auf zwölf Betriebe begrenzt sein. Bei der Auswahl der Gruppenmitglieder wird darauf geachtet, dass einerseits die Betriebe von ihrer Größen- und Betriebsstruktur vergleichbar sind und andererseits keinerlei Konkurrenzsituation besteht. Die Gruppenmitglieder organisieren unter Moderation des DIB jeweils zwei jährliche Treffen, die jeweils in einem anderen Betrieb stattfinden. Das DIB wird bei der Organisation gegebenenfalls unterstützend tätig werden. Wenn externe Referenten hinzugezogen werden, sind deren Kosten ebenso wie die Organisationskosten unter den Gruppenmitgliedern aufzuteilen.

Bei jedem Treffen finden eine Betriebsbesichtigung sowie eine innerbetriebliche Schwachstellenanalyse des ausrichtenden Betriebs statt. Darüber hinaus wählt die Gruppe ein bestimmtes Thema aus, das dann intensiv unter Einbringung der jeweiligen betrieblichen Erfahrungen betrachtet wird. Nachdem die ERFA-Treffen bei allen Gruppenmitgliedern stattgefunden haben, werden die Gruppen neu zusammengestellt.

Jochen Hohmann ist dort ebenso gerne und engagiert dabei wie neuerdings im Fachausschuss der Bundesfachgruppe Bestatter. Der Fachausschuss ist das Arbeitsgremium der Bundesfachgruppe im Bundesinnungsverband. Hier werden Konzepte erarbeitet, mit der Bundesfachgruppe – die bundesweit insgesamt rund 1.500 bestattende Betriebe vertritt – abgestimmt und anschließend in Projekten umgesetzt.

Das neue Mitglied aus Sterbfritz passt dort perfekt rein, lautet doch das Motto von Jochen Hohmann: „Das Leben wertschätzen, es kann schnell anders sein.“

Weitere Infos:
Hohmann Bestattungen,
Inhaber Jochen Hohmann,
Gutzmannstraße 6,
14165 Berlin,
Telefon 030-84722090,
Fax 030-84722088,
E-Mail berlin@hohmann-bestattungen.de,
www.hohmann-bestattungen.de